Das Kompetenz-Centrum Geriatrie veranstaltete am 10.06.2021 das Expertenforum "Innovative Geriatrie - Ak​​tive Gestaltung des demographischen Wandels". An der online durchgeführten  Veranstaltung nahmen rund 200 Teilnehmer aus der Praxis der geriatrischen Versorgung (Krankenhäuser, Rehabilitationseinrichtungen, Arztpraxen/-netzen) und den Medizinischen Diensten sowie von Verbänden, von Krankenkassen und von Forschungseinrichtungen teil. In einer Reihe unterschiedlicher Fachvorträge konnte aufgezeigt werden, dass auch unter schwierigen Rahmenbedingungen in der Geriatrie innovative Lösungen entwickelt werden, um den demografischen Wandel aktiv zu gestalten. Die Vortragsfolien der Fachvorträge finden Sie nachstehend zum Download.​ ​​

Im Anschluss an den Vortrag von Prof. Becker wurde die Frage diskutiert, ob Geriatriekonzepte ohne gesonderte geriatrische Rehabilitationseinrichtungen noch zeitgemäß sind. An einer prominent besetzten Diskussionsrunde nahmen teil: Dr. Angela Braubach (Bundesministerium für Gesundheit), Prof. Dr. Hans Jürgen Heppner (Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie), Dirk van den Heuvel (Geschäftsführer des Bundesverbandes Geriatrie) und Matthias Mohrmann (Vorstand der AOK Rheinland-Hamburg). Übereinstimmend wurden die heterogenen Bedarfe für die Inanspruchnahme spezifischer geriatrischer Versorgungsleistungen und deren individuelle Umsetzung herausgestellt. Unter Beachtung der leistungsrechtlichen Ansprüche der Versicherten, unverändert bestehender Anreize für Verkürzungen akutstationärer Verweildauern im DRG-System, der sektoralen Trennung von Krankenhausbehandlung und medizinischer Rehabilitation sowie der vom Gesetzgeber wiederholt geforderten umfänglicheren Einleitung geriatrischer Rehabilitation (z.B. GKV-IPReG) durch Vertragsärzte und Pflegegutachter sahen die an der Diskussionsrunde teilnehmenden Experten gesonderte geriatrische Rehabilitationseinrichtungen für hinreichend begründet an. Sicher wird diese Frage auch in den kommenden Jahren bei der Planung zukunftsfester Geriatriekonzepte eine gewichtige Rolle spielen, insbesondere da bereits in den letzten Jahren weitere Bundesländer (Bremen, Thüringen, Hessen) zusätzliche geriatrische Rehabilitationseinrichtungen aufgebaut haben. ​  

Vorträge der Referenten

29.06.2017, Hamburg 

Die ambulante Versorgu​ng multimorbider alter Patienten is​t in Bewegung geraten. Bisher weitgehend von allen Vertragsärzten getragen, entwickeln sich nun neue Versorgungsformen und konkurrieren um die beste Lösung.

Vorträge der Referenten

Bildimpressionen vom KCG-Expertenforum 2017

Gruppe der Referenten und Moderatoren (von links nach rechts): Thorsten Busse, Dr. Norbert Lübke, Dr. Matthias Meinck, Jörg-Christian Renz, Dr. Dieter Hotzelmann, Dr. Matylda Nosul, Dr. Tobias Freund, Dr. Friedemann Ernst (hinten), Dr. Anja Dieterich, Prof. Dr. Jürgen M. Bauer, Prof. Dr. Stefan Wilm, Constanze Liebe, Wolfgang Hentrich, Dr. Bernhard Gibis 

Prof. Dr. Jürgen M. Bauer, Präsident der Dt. Gesellschaft für Geriatrie, Dr. Matthias Meinck, stellv. Leiter des Kompetenz-Centrums Geriatrie und Prof. Dr. Stefan Wilm, Dt. Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

20. Mai 2015 in Hamburg

Palliative und geriatrische Versorgung besser verzahnen

Ärzte könnten ältere Patienten noch effektiver versorgen, wenn sich Palliativmediziner und Geriater besser austauschen würden. Das ist eine der Erkenntnisse des Expertenforums des Kompetenz-Centrums Geriatrie (KCG) in Hamburg. Fazit für die Vertreter beide Fachdisziplinen: Wir können und sollten zum Wohle der Patienten vom anderen lernen. So haben auf dieser Veranstaltung die Vertreter beider Fachgesellschaften erstmals ihre Therapieansätze verglichen. Was das für die tägliche praktische Arbeit bedeutet, konnten außerdem Experten aus Kliniken, der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV), Hospizen und von stationären Pflegeeinrichtungen vor den rund 100 fachkundigen Gästen darstellen.

Das Problem: Die Palliativmedizin versorgt regelhaft schwerkranke Patienten mit begrenzter Lebenserwartung – ebenso wie die Geriatrie. Dennoch werden beide Fachdisziplinen immer noch getrennt betrachtet und geplant. Eine Abstimmung beider Versorgungstrukturen zugunsten der Patienten findet in der Regel nicht statt, obwohl eine große Zahl der Palliativpatienten ältere Menschen sind, die auch geriatrisch zu versorgen sind.

„Palliative Begleitung sollte Bestandteil jeder geriatrischen Versorgung sein", forderte zu Beginn Elke Badde, die Staatsrätin der Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, in ihrem Grußwort. Welchen hohen Stellenwert die Altersmedizin in Politik und Verwaltung der Hansestadt genießt, stellte sie anhand der umfangreichen Versorgungssituation älterer Patienten in der Hansestadt dar.  

Ist die Palliativmedizin sogar die bessere Geriatrie? Diese Frage stellte das KCG an diesem Tag seinen Referenten. „Ja, … bedingt", sagte dazu Professor Dr. Christoph Ostgathe als Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Die Patientengruppe überschneide sich. Der Palliativ-Patient ist im Durchschnitt 68 Jahre alt, und neben den onkologischen Fällen machen alle anderen Erkrankungen, die fachärztliche Palliativversorgung benötigen würden, rund 40 Prozent aus. Prof. Ostgathe wünscht sich aus Sicht der DGP zur Verbesserung der Situation, dass die Palliativmedizin stärker in die Weiterbildung der Geriater integriert wird. Im Gegenzug müsse auch die Kompetenz der Palliativmediziner in der Behandlung geriatrischer Patienten gesteigert werden.

Vorträge der Referenten

„Ja, die Palliativmedizin macht vieles besser", sagte auch PD Dr. Rupert Püllen als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Er machte jedoch auch klare Unterschiede deutlich: Der typische geriatrische Patient ist mit über 80 Jahren wesentlich älter als der von der Palliativmedizin als „alt" definierte. Und während sich die Palliativmedizin regelhaft mit der Symptomkontrolle und –Linderung schwerer Erkrankungen von Patienten am Lebensende befasse, stünde für die Geriater das Wiederherstellen der Selbständigkeit, die Rehabilitation, im Vordergrund. Denn eine Frau habe im Alter von 85 Jahren statistisch gesehen noch eine Lebenserwartung von sechs Jahren. Die Geriater könnten jedoch davon lernen, wie die Palliativmediziner noch stärker spirituelle Fragen der Patienten mitberücksichtigen, so PD Dr. Püllen. Palliativmedizin lebe besser als andere vor, dass es eine eigene Atmosphäre brauche, man also den Blick auch auf ein gutes Ambiente in den Einrichtungen legen müsse um das Wohlbefinden zu fördern, hob er hervor. Auch für PD Dr. Püllen ist klar: „Jeder Arzt braucht Grundkenntnisse beider Fachrichtungen." 

Geriatrie und Palliativmedizin haben in weiten Teilen gemeinsame Ziele und eine gemeinsame Philosophie", hob Dr. Lübke, der Leiter des KCG hervor. Eine weitreichende Vernetzung von Geriatrie und Palliativmedizin müsse politisch auf die Agenda und von den Fachgesellschaften eingefordert werden.

In den weiteren Vorträgen haben die Referenten die Perspektiven der Leistungserbringer aus allen palliativen Versorgungsbereichen dargestellt. Außerdem zeigten Vertreter der Kostenträger und der Medizinischen Dienste auf, welche Strukturen dafür bereits geschaffen worden sind und welche Schwerpunkte zukünftig gesetzt werden müssen.

Bildimpressionen vom KCG-Expertenforum 2015

Gruppe der Referenten (von links nach rechts): Dr. Wolfgang Schwarz, Prof. Dr. Christoph Ostgathe, PD Dr. Rupert Püllen (hinten), Dr. Joan Panke, Dr. Friedemann Ernst (hinten), Dirk Müller, Prof. Dr. Norbert Schmacke (hinten), Dr. Monika Kücking,  Dr. Martin Warnach, Dr. Norbert Lübke

Referenten der Fachgesellschaften: Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Vizepräsident der Dt. Gesellschaft für Palliativmedizin und PD Dr. Rupert Püllen, Präsident der Dt. Gesellschaft für Geriatrie

Elke Badde, Staatsrätin der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg und Peter Zimmermann, Geschäftsführer MDK Nord im Gespräch mit Dr. Friedemann Ernst, Kompetenz-Centrum Geriatrie

Unsere Expertentage

Wir führen in unregelmäßigen Abständen Expertentage durch. Zu diesen laden wir Vertreter der Medizinischen Dienste, der Krankenkassen und der Fachöffentlichkeit ein. An dieser Stelle werden wir Sie wir über zukünftige Veranstaltungen informieren.