​Kompetenz-Centren werden vom GKV-Spitzenverband und der Gemeinschaft der Medizinischen Dienste zu Themenfeldern eingerichtet, für die einerseits aufgrund einer hohen inhaltlichen Komplexität eine Zusammenführung speziellen Fachwissens angezeigt erscheint, sich andererseits aus der Versorgungs-, Vertrags- und Begutachtungstätigkeit ein erheblich Beratungsbedarf ergibt.

Kompetenz-Centren sind in die Systematik der Kompetenzeinheiten der Gemeinschaft der Medizinischen Dienste eingebunden und organisatorisch einem einzelnen Medizinischen Dienst zugeordnet, das Kompetenz-Centrum Geriatrie dem ​Medizinischen Dienst ​Nord.

​​Das Kompetenz-Centrum Geriatrie (KC Geriatrie) ist eine gemeinsame Einrichtung des GKV-Spitzenverbandes und der Gemeinschaft der Medizinischen Dienste.

Es unterstützt und berät seine Träger mit wissenschaftlichen Expertisen zu Versorgungsstrukturen, Vertragsgestaltung und Begutachtungstätigkeit im Bereich Geriatrie. Es arbeitet unabhängig und mit bundesweiter Zuständigkeit. Hauptaufgabe des Kompetenz-Centrums Geriatrie ist die Systemberatung der Gesetzlichen Krankenversicherung auf dem Fachgebiet Geriatrie.

Auftragsberechtigt sind die Krankenkassen, die Medizinischen Dienste sowie deren jeweilige Landes- und Bundesverbände (Beauftragung).

Organisatorisch ist das Kompetenz-Centrum Geriatrie dem Medizinischen Dienst Nord angegliedert. Fachlich ist es in die übergreifenden Arbeitsstrukturen der Gemeinschaft der Medizinischen Dienste eingebunden und arbeitet insbesondere bei der Bearbeitung medizinischer Grundsatzfragen auftragsbezogen mit hierzu bestehenden Arbeitsgruppen, Projektgruppen und anderen Kompetenzeinheiten der Medizinischen Dienste und dem Medizinischen Dienst Bund eng zusammen.

Im Kompetenz-Centrum Geriatrie arbeiten wissenschaftlich und geriatrisch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit verschiedenen geriatrischen Erfahrungsschwerpunkten. Es bestehen umfangreiche wissenschaftliche Recherchemöglichkeiten als Grundlage einer Evidence-based-Medicine - orientierten Begutachtungstätigkeit (Team).

​Im Kompetenz-Centrum Geriatrie sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus unterschiedlichen Berufsgruppen und sich ergänzenden beruflich-geriatrischen Arbeitsfeldern beschäftigt. Sie verfügen über klinisch-geriatrische Erfahrungen aus verschiedenen Versorgungsbereichen und sozialmedizinische, gesundheitswissenschaftliche, epidemiologische und methodische Kompetenz (Team).
Wir verfügen über ein breites Spektrum einschlägiger Fachzeitschriften, haben Zugang zu den wichtigsten Literaturdatenbanken (z.B. Cochrane-Library) und sind an die Wissensdatenbanken der Gemeinschaft der medizinischen Dienste angebunden (z.B. InfoMeD). Wo immer möglich, orientiert sich die Bewertung der verfügbaren Informationen an den Kriterien einer evidenzbasierten Medizin / Pflege (EBM, EBN).

Grafik Arbeitsschwerpunkte Kompetenz-Centrum Geriatrie

Die demographische Entwicklung mit einem immer höheren Anteil betagter und hochbetagter Menschen und die fortschreitenden medizinischen Behandlungsmöglichkeiten – allerdings nicht immer mit dem Ergebnis kompletter Wiederherstellung der körperlichen und geistigen Unversehrtheit – stellen die Geriatrie vor große Herausforderungen.

    Arbeitsschwerpunkte aus dem Bereich Prävention

    • Erfassung, Bewertung und Praktikabilitätsprüfung vorliegender Screening- und Behandlungsansätze

    • Bewertung von präventiven Schulungsangeboten

    • Implementierung von EBM-basierten Leitlinien zur Risikominderung / Prüfung der Anwendbarkeit auf ältere Menschen

    Arbeitsschwerpunkte aus dem Bereich ambulante geriatrische Versorgung

    • Stärkung der zentralen Rolle des Hausarztes für die geriatrische Versorgung durch geriatrische Qualifikation (Aus- und Weiterbildung)

    Arbeitsschwerpunkte aus dem Bereich stationäre geriatrische Versorgung

    • länderspezifisch unterschiedliche Einbettung geriatrischer Versorgung im Krankenhaus- /Rehabilitationsbereich

    • Einbindung der Geriatrie in das DRG-System

    • Fragen der Verankerung geriatrischer Kompetenz in der stationären Krankenhausversorgung

    • Evaluation von Assessmentverfahren

    • Bewertung / Implementierung geriatrierelevanter Leitlinien

    Arbeitsschwerpunkte aus dem Bereich geriatrische Rehabilitation

    • Abgrenzungskriterien geriatrischer Krankenhausbehandlung von Rehabilitationsmaßnahmen

    • Weiterentwicklung, Umsetzung und Fortschreibung von Richtlinien und Empfehlungen der GKV (z.B. Begutachtungsanleitung Vorsorge und Rehabilitation)

    • Konzeption / Implementierung / Fortschreibung von Qualitätssicherungsprogrammen (z.B. QS-Reha®-Verfahren der GKV)

    • Auswirkungen des DRG-Systems auf den Rehabilitationsbereich bzgl. Inanspruchnahme und Versorgungsqualität

    • Evaluation ambulanter geriatrischer Rehabilitation (z.B. Basisdokumentation mobiler geriatrischer Rehabilitationsmaßnahmen)

    Arbeitsschwerpunkte aus dem Bereich Langzeitversorgung

    • Kostenminderung durch „Reha vor Pflege"
    • Rehabilitation im Pflegeheim?
    • Integration von Kurzzeitpflege in definierte Behandlungskonzepte?
    • Implementierung geriatrischer Kompetenz in der Pflege / im Pflegeheimbereich?
    • Erfassung von Risikofaktoren und Versorgungsdefiziten
    • Qualifikation der primärversorgenden Hausärzte
    • Potentielle Arbeitsschwerpunkte aus dem Bereich Integrierte Versorgung
    • integrierter und selektivvertragliche Versorgungsansätze
    • schrittweise Verknüpfung dieses medizinisch intendierten Ansatzes mit Erfahrungen und Konzepten aus den Bereichen des Disease-, Care- und Casemanagements zur Entwicklung integrierter Behandlungskonzepte

     

    Aufgaben des Kompetenz-Centrums Geriatrie

    • Unterstützung der Arbeit der Medizinischen Dienste im Bereich Geriatrie
    • Schulungen und Fortbildungen sowie Erstellung von Anleitungen und Informationen für die Arbeit der Gutachterinnen und Gutachter der Medizinischen Dienste
    • Erstellung / Bewertung von Evidenzberichten zu geriatrischen Verfahren in Diagnostik, Therapie und Prävention, Bewertung geriatrischer Leitlinien
    • Beratung / Mitarbeit an der konzeptionellen Ausgestaltung geriatrischer Versorgungsstrukturen/-leistungen (z.B. Präventionsprogramme, DRG-Abbildung, Indikationskriterien, Disease-, Case- und Caremanagementprogramme, Qualitätssicherungsverfahren)
    • Vorbereitung von Entscheidungen der Medizinischen Dienste und der GKV im Bereich Geriatrie durch Materialsammlungen, Grundsatzgutachten und Beratung / Mitarbeit in Gremien (Koordinierungsausschuss, Bundesausschuss, Ausschuss Krankenhaus, IQTiG, BQS, Bewertungsausschuss und zugehörige Arbeitsausschüsse und Arbeitsgruppen)

    Das Leistungsspektrum des Kompetenz-Centrums Geriatrie gliedert sich schwerpunktmäßig in die Kernaufgabenbereiche:

    Sachbearbeitung

    Unter Sachbearbeitung fällt die Erstellung von

    • eingehenden gutachterlichen Stellungnahmen und
    • Grundsatzgutachten,

    die umfassenderer Recherchen bedürfen, sowie die

    • Erstellung von Arbeitshilfen zur Begutachtung für Gutachter und Sachbearbeiter der Medizinischen Dienste.

    Auftragsabhängig kann die Bearbeitung dieser Aufträge auch die Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit mit anderen Arbeits- oder Projektgruppen der Medizinischen Dienste erfordern.

    Serviceleistungen

    Hierbei handelt es sich im wesentlichen um die

    • telefonische oder schriftliche Bearbeitung von Einzelfallanfragen sowie
    • einfache gutachterliche Stellungnahmen,

    die nur einen begrenzten Zeitaufwand für die Beschaffung zusätzlicher Informationen oder Literatur erfordern. Die routinemäßige Einzelfallbegutachtung verbleibt jedoch bei den Gutachterinnen und Gutachtern des lokal zuständigen Medizinischen Dienstes. Serviceleistungen umfassen ferner

    • Unterstützung von Schulungsmaßnahmen
    • Mitwirkung bei geriatriespezifischen Fortbildungsveranstaltungen der Medizinischen Dienste
    • Beschaffung themenspezifischer Fachinformationen für die Medizinischen Dienste, die Krankenkassen und ihre Verbände

    Systemberatung

    Hierunter fallen beratende und gutachterliche Tätigkeiten, die die konzeptionelle Fortentwicklung der Versorgungsstrukturen im Bereich der Geriatrie betreffen:

    • langfristige Gremienarbeit in Ausschüssen und Expertengruppen
    • sozialmedizinische Empfehlungen zur Weiterentwicklung geriatrischer Versorgungsstrukturen
    • Teilnahme an Verhandlungen
    • Projektentwicklung/-evaluation

    Aufträge im Bereich der Systemberatung erfolgen in Abstimmung mit den Gremien der Gemeinschaft der Medizinischen Dienste. Ihre Bearbeitung erfolgt in Abhängigkeit von den jeweiligen Fragestellungen ggf. in Kooperation mit anderen Kompetenzeinheiten der Gemeinschaft der Medizinischen Dienste.

    In Germany 90 per cent of the population are insured under the Statutory Health Insurance scheme. The Statutory Health Insurance scheme consists of approximately 120 individual sickness funds that are united in associations at the regional state level and at the federal level. Medical Review Boards are available to the Statutory Health Insurance for assessments and consultations. They are organised on a regional state level.

    The Kompetenz-Centrum Geriatrie is a combined institution of the National Association of Statutory Health Insurance Funds and the Medical Services of the Stratutory Health Insurance​*. The centre supports this agencies of the Statutory Health Insurance by specialist consultations and assessment on questions of geriatric care. Its medical experts are independent in their conclusions and work at federal level. The Kompetenz-Centrum Geriatrie is located at the Medical Service North of the Statutory Health Insurance (Medizinischer Dienst Nord)

    The demographic development in Germany shows an increasing proportion of old and very old people. This and modern medical treatment options impose a large health and socio-political challenge to geriatrics. Therefore the Kompetenz-Centrum Geriatrie covers a large variety of fields and tasks. They include issues on:

    • prevention
    • out-patient geriatric care
    • in-patient geriatric care
    • geriatric rehabilitation
    • long-term nursing care of geriatric patients

    A special challenge for the future will be the development of integrated forms of medical care that combine the treatment sectors mentioned above in the interests of the geriatric patients.
    At the present time the staff consists of two physicians with geriatric experience in different fields and a health scientist. 
    The centre has access to numerous sources of scientific research used as a basis for preparing expert opinions. Work activities for the Kompetenz-Centrum Geriatrie can only be ordered by the associations of the sickness funds and their Medical Advisory Boards.

    The Kompetenz-Centrum Geriatrie is in particular responsible for

    • expert opinions and statements about issues of geriatric treatment and structures for geriatric medical care
    • obtaining specialist information on specific topics
    • preparation and/or evaluation of written evidence on geriatric procedures in diagnostics, therapy, and prevention
    • acting as speakers and coaches at specialist geriatric meetings and training seminars
    • advice and specialist representation in health policy committees with respect to questions of geriatric care
    • development and evaluation of geriatric pilot projects

    The objective of the Kompetenz-Centrum Geriatrie is to contribute to the design of relevant geriatric treatment and care structures, and to the efficient use of resources in the German health system by means of professional competence and improved co-ordination.

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    * This centre is an institution

    • of the National Association of Statutory Health Insurance Funds (GKV-Spitzenverband)
    • of the Medical Services of the Statutory Health Insurance (MD)

    Further informations in english are not available.

    Lesetipp

    Ernst F, Lübke N, Meinck M, Renz JC (Hrsg.).  Kompendium Begutachtungswissen Geriatrie: Empfohlen vom Kompetenz-Centrum Geriatrie der Medizinischen Dienste. 4. Aufl. Springer 2020. Springer: Berlin , Heidelberg (ISBN 978-3-662-61447-1).