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INFO
- Service / Assessmentinstrumente in der Geriatrie
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Beispiele zur
angemessenen Bewertung von Assessmentdaten (4):
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Es
sollten Vorstellungen über die Veränderungssensitivität
bzw. den Differenzierungsgrad
eines Instrumentes
sowie ggf. vorliegende
Boden- und Deckeneffekte bestehen.
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Unter
Veränderungssensitivität versteht man
die Fähigkeit eines Instrumentes, Veränderungen von
Schädigungen und Beeinträchtigungen eines Patienten
tatsächlich darzustellen, also durch unterschiedliche
Messergebnisse zu dokumentieren. In der Regel wird die
Veränderungssensitivität umso höher sein, je mehr
voneinander unterschiedliche Items ein Instrument umfasst und je
differenzierter die Abstufungen innerhalb der Items sind.
Beispiele:
Rehabilitative
„Erfolge“ werden sich bei Verwendung des FIM mit 18 Items á 7
Stufen schneller nachweisen lassen als unter Verwendung des BI mit 10
Items á 2-4 Stufen oder gar der 3 Pflegestufen des
Pflegebegutachtungsverfahrens nach SGB XI.
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Innerhalb
des BI gibt es Items, deren Anforderung entweder komplett erfüllt
sein muss oder es gibt keine Punkte, die also quasi dichotomen
Charakter haben (sich Waschen, Duschen/Baden). Es gibt aber auch Items,
die in bis zu 4 Abstufungen unterteilt sind, in denen daher
Veränderungen abgestufter erkennbar werden (sich Auf- und
Umsetzen, Gehen).
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der kontinuierlichen Zeitmessung des Timed „Up & Go“-Tests
können sich Verbesserungen nachweisen lassen, die in festen
Itemabstufungen für die Fähigkeit des Gehens - wie bspw. im
BI - nicht zum Tragen kommen. |
Wichtige
Komponenten,
die in der Bewertung von
Assessmentergebnissen zu berücksichtigen sind, stellen Boden- und
Deckeneffekte dar. Unter Bodeneffekten
versteht man objektive Zustandsveränderungen, die sich allerdings
unterhalb des Erfassungsbereichs eines Instrumentes abspielen und damit
nicht erkennbar werden. Unter Deckeneffekten
versteht man objektive Zustandsveränderungen, die sich oberhalb
des Differenzierungsbereichs eines Instrumentes abspielen und damit
nicht erfasst werden.
Beispiele:
Ein
schwerst betroffener, in seinem Bewusstseinszustand erheblich
eingeschränkter Patient kann nach 3 Wochen mit seiner Umgebung
wieder sprachlichen Kontakt herstellen, mit Hilfe oral Nahrung
aufnehmen und am kompletten therapeutisch-rehabilitativen Programm im
Bett und an der Bettkante teilnehmen. Dennoch kann es sein, dass er
unverändert keinen Zuwachs im BI aufweist. Trotz deutlicher
Verbesserungen greift der BI hier aufgrund seines Bodeneffektes noch
nicht. Dies hat v.a. im Bereich der neurologischen, neuerdings
teilweise auch im Bereich der geriatrischen Frührehabilitation zum
Einsatz des so genannten Frühreha-Barthel-Index geführt, der
noch andere, elementarere Funktionsebenen erfasst und entsprechende
Veränderungen dokumentieren kann.
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Im
tagesklinischen oder ambulanten Bereich finden sich oft Patienten, die
bereits zu Therapiebeginn einen Barthelindex zwischen 90 und 100
Punkten aufweisen, die von diesem Instrument erfassten Aktivitäten
des täglichen Lebens also weitgehend selbständig
bewältigen können. Dennoch fehlt es Ihnen für die
vorbestehende selbständige Haushalts- und Lebensführung noch
an Fähigkeiten, die eher im Bereich der Kraft, Ausdauer,
Feinmotorik, spezifischer Anforderungen des Haushalts oder auch von
Aktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände wie
Einkauf, Nutzung von Verkehrsmitteln etc. liegen, aber nicht mehr durch
den BI zu erfassen sind. Hier liegt ein Deckeneffekt dieses
Instrumentes vor. Hieraus ist jedoch weder auf eine fehlende
Rehabilitationsbedürftigkeit, noch fehlende
Rehabilitationsfähigkeit oder fehlendes Rehabilitationspotenzial
zu schließen. Ist der BI das einzig obligate Assessmentinstrument
kann das Ausbleiben eines Anstiegs (soweit überhaupt Spielraum
bestand) nicht zwangsläufig als Verfehlen des Rehabilitionszieles
interpretiert werden. Teilweise wird in Tageskliniken und ambulanten
Einrichtungen auf Instrumente aus dem Basisbereich der instrumentellen
Selbstversorgungsfähigkeiten wie bspw. den IADL nach Lawton/Brody
ausgewichen. Hier mangelt es allerdings noch an wirklich
überzeugenden und praktikablen Instrumenten, so dass oft auf
nichtstandardisierte beschreibende Verfahren zurückgegriffen
werden muss.
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Beim
Timed „Up & Go“ -Test scheitern eine Reihe von Patienten nicht
daran, dass sie nicht einige Schritte ohne fremde Hilfe gehen
könnten, sondern daran, dass sie für den Test nicht alleine
aus einem Stuhl in den Stand kommen, was oft gar nicht als
Aufgabenbestandteil realisiert wird. Für einen initial immobilen,
jetzt am Rollator im Flur gehenden Patienten kann der Timed „Up &
Go“ -Test also trotzdem undurchführbar bleiben. Es wird deutlich,
dass ein Test keine Verbesserung zeigen muss (hier: Timed Up & Go
nach wie vor nicht durchführbar), obwohl sich erhebliche
Verbesserungen der Gehfähigkeit ergeben haben können.
Demgegenüber wäre in diesem Fall bspw. im Barthel-Index, wo
im Item „Gehen“ für 5 Punkte - auch beim Aufstehen – Fremdhilfe
erlaubt ist, ein Punktzuwachs durchaus möglich.
Das
Assessmentergebnis fällt also je nach eingesetztem Instrument und
dessen Anwendungsbedingungen für den externen Betrachter trotz
gleicher Verbesserungen unterschiedlich aus. In diesem Beispiel
dokumentiert der BI die Verbesserung, der Timed „Up & Go“-Test aber
nicht, im Eingangsbeispiel oben (kontinuierliche Zeitmessung des Timed
„Up & Go“-Tests weist Verbesserung nach, die in den festen
Itemabstufungen für die Fähigkeit des Gehens beim nicht zum
Tragen kommt) war es umgekehrt!
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