Logo KCG
Bild1Bild2Start3Bild4Bild5Bild6
Home   Kontakt   Impressum
>
 Aktuelles
>  Wir über uns:
>  Kurzprofil profile  profile  profile
>  Organisation
>  Arbeitsfelder
>  Kompetenzen
>  Mitarbeiter
>  Leistungsspektrum
>  Beauftragung
>  Flyer
>  INFO-Service
>
Assessments in der Geriatrie
>
  1. Hintergrund
      Beispiele (1)
      Beispiele (2)
      Beispiele (3)
>    Beispiele (4)
      Beispiele (5)
      Beispiele (6)
      Beispiele (7)
      Beispiele (8)
>
  2. Instrumente
>
  3. Interpretation
>  Kontakt / Anfahrt
INFO - Service / Assessmentinstrumente in der Geriatrie

Beispiele zur angemessenen Bewertung von Assessmentdaten (4):

Es sollten Vorstellungen über die Veränderungssensitivität bzw. den Differenzierungsgrad
eines
Instrumentes sowie ggf. vorliegende Boden- und Deckeneffekte bestehen.


Unter Veränderungssensitivität versteht man die Fähigkeit eines Instrumentes, Veränderungen von Schädigungen und Beeinträchtigungen  eines Patienten tatsächlich darzustellen, also durch unterschiedliche Messergebnisse zu dokumentieren. In der Regel wird die Veränderungssensitivität umso höher sein, je mehr voneinander unterschiedliche Items ein Instrument umfasst und je differenzierter die Abstufungen innerhalb der Items sind.

Beispiele:

Rehabilitative „Erfolge“ werden sich bei Verwendung des FIM mit 18 Items á 7 Stufen schneller nachweisen lassen als unter Verwendung des BI mit 10 Items á 2-4 Stufen oder gar der 3 Pflegestufen des Pflegebegutachtungsverfahrens nach SGB XI.

Innerhalb des BI gibt es Items, deren Anforderung entweder komplett erfüllt sein muss oder es gibt keine Punkte, die also quasi dichotomen Charakter haben (sich Waschen, Duschen/Baden). Es gibt aber auch Items, die in bis zu 4 Abstufungen unterteilt sind, in denen daher Veränderungen abgestufter erkennbar werden (sich Auf- und Umsetzen, Gehen).

In der kontinuierlichen Zeitmessung des Timed „Up & Go“-Tests können sich Verbesserungen nachweisen lassen, die in festen Itemabstufungen für die Fähigkeit des Gehens - wie bspw. im BI - nicht zum Tragen kommen.

Wichtige Komponenten, die in der Bewertung von Assessmentergebnissen zu berücksichtigen sind, stellen Boden- und Deckeneffekte dar. Unter Bodeneffekten versteht man objektive Zustandsveränderungen, die sich allerdings unterhalb des Erfassungsbereichs eines Instrumentes abspielen und damit nicht erkennbar werden. Unter Deckeneffekten versteht man objektive Zustandsveränderungen, die sich oberhalb des Differenzierungsbereichs eines Instrumentes abspielen und damit nicht erfasst werden.

Beispiele:
Ein schwerst betroffener, in seinem Bewusstseinszustand erheblich eingeschränkter Patient kann nach 3 Wochen mit seiner Umgebung wieder sprachlichen Kontakt herstellen, mit Hilfe oral Nahrung aufnehmen und am kompletten therapeutisch-rehabilitativen Programm im Bett und an der Bettkante teilnehmen. Dennoch kann es sein, dass er unverändert keinen Zuwachs im BI aufweist. Trotz deutlicher Verbesserungen greift der BI hier aufgrund seines Bodeneffektes noch nicht. Dies hat v.a. im Bereich der neurologischen, neuerdings teilweise auch im Bereich der geriatrischen Frührehabilitation zum Einsatz des so genannten Frühreha-Barthel-Index geführt, der noch andere, elementarere Funktionsebenen erfasst und entsprechende Veränderungen dokumentieren kann.
Im tagesklinischen oder ambulanten Bereich finden sich oft Patienten, die bereits zu Therapiebeginn einen Barthelindex zwischen 90 und 100 Punkten aufweisen, die von diesem Instrument erfassten Aktivitäten des täglichen Lebens also weitgehend selbständig bewältigen können. Dennoch fehlt es Ihnen für die vorbestehende selbständige Haushalts- und Lebensführung noch an Fähigkeiten, die eher im Bereich der Kraft, Ausdauer, Feinmotorik, spezifischer Anforderungen des Haushalts oder auch von Aktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände wie Einkauf, Nutzung von Verkehrsmitteln etc. liegen, aber nicht mehr durch den BI zu erfassen sind. Hier liegt ein Deckeneffekt dieses Instrumentes vor. Hieraus ist jedoch weder auf eine fehlende Rehabilitationsbedürftigkeit, noch fehlende Rehabilitationsfähigkeit oder fehlendes Rehabilitationspotenzial zu schließen. Ist der BI das einzig obligate Assessmentinstrument kann das Ausbleiben eines Anstiegs (soweit überhaupt Spielraum bestand) nicht zwangsläufig als Verfehlen des Rehabilitionszieles interpretiert werden. Teilweise wird in Tageskliniken und ambulanten Einrichtungen auf Instrumente aus dem Basisbereich der instrumentellen Selbstversorgungsfähigkeiten wie bspw. den IADL nach Lawton/Brody ausgewichen. Hier mangelt es allerdings noch an wirklich überzeugenden und praktikablen Instrumenten, so dass oft auf nichtstandardisierte beschreibende Verfahren zurückgegriffen werden muss.

Beim Timed „Up & Go“ -Test scheitern eine Reihe von Patienten nicht daran, dass sie nicht einige Schritte ohne fremde Hilfe gehen könnten, sondern daran, dass sie für den Test nicht alleine aus einem Stuhl in den Stand kommen, was oft gar nicht als Aufgabenbestandteil realisiert wird. Für einen initial immobilen, jetzt am Rollator im Flur gehenden Patienten kann der Timed „Up & Go“ -Test also trotzdem undurchführbar bleiben. Es wird deutlich, dass ein Test keine Verbesserung zeigen muss (hier: Timed Up & Go nach wie vor nicht durchführbar), obwohl sich erhebliche Verbesserungen der Gehfähigkeit ergeben haben können. Demgegenüber wäre in diesem Fall bspw. im Barthel-Index, wo im Item „Gehen“ für 5 Punkte - auch beim Aufstehen – Fremdhilfe erlaubt ist, ein Punktzuwachs durchaus möglich.
Das Assessmentergebnis fällt also je nach eingesetztem Instrument und dessen Anwendungsbedingungen für den externen Betrachter trotz gleicher Verbesserungen unterschiedlich aus. In diesem Beispiel dokumentiert der BI die Verbesserung, der Timed „Up & Go“-Test aber nicht, im Eingangsbeispiel oben (kontinuierliche Zeitmessung des Timed „Up & Go“-Tests weist Verbesserung nach, die in den festen Itemabstufungen für die Fähigkeit des Gehens beim nicht zum Tragen kommt) war es umgekehrt!
HTML-valide  letzte Änderung: 05.06.2009 I webmaster